KI verändert die Reiseplanung – aber OTAs bleiben mächtiger denn je

Viele Hotels hoffen, dass KI ihre Abhängigkeit von OTAs reduziert. Eine neue Analyse zeigt: Wahrscheinlich passiert genau das Gegenteil.

KI-Illusion im Hotelvertrieb

Viele Hotels setzen aktuell große Hoffnungen in Künstliche Intelligenz:
Wird sie die Abhängigkeit von OTAs reduzieren und den Direktvertrieb stärken?

Eine aktuelle Analyse von Morgan Stanley kommt zu einem anderen Ergebnis: Agentic AI wird Online Travel Agencies (OTAs) wie Booking Holdings nicht schwächen – sondern eher stärken.

Während viele Marktteilnehmer erwarten, dass KI-gestützte Reiseassistenten Buchungen künftig direkt innerhalb von AI-Interfaces abschließen und damit OTAs umgehen, argumentieren die Analysten anders:

KI wird Inspiration und Suche verändern – doch Transaktion, Zahlungsabwicklung und Kundendaten bleiben bei den etablierten Plattformen.

Die Kernpunkte der Analyse

AI als Traffic-Treiber für OTAs

Erste Entwicklungen zeigen: KI-Agenten führen Nutzer nicht weg von OTAs – sondern eher dorthin.

Die KI inspiriert, filtert und plant. Doch sobald es um die Buchung geht, landen Nutzer weiterhin auf den großen Plattformen.

Konsequenz: OTAs bleiben zentrale Buchungshubs.

Merchant-of-Record bleibt komplex

Die Rolle des Merchant of Record – also die Verantwortung für Zahlung, Abwicklung und Kundenservice – ist operativ anspruchsvoll.

Mit jeder Transaktion entstehen Risiken:

  • Zahlungsabwicklung

  • Rückerstattungen

  • Customer Support

  • Haftungsfragen

Technologiekonzerne wie Google oder Meta zeigen bislang wenig Interesse, diese Verantwortung zu übernehmen.

Konsequenz: Das operative Risiko bleibt bei den Intermediären – ein struktureller Vorteil für OTAs.

Daten sind der wahre Wettbewerbsvorteil

Wer über Kundendaten verfügt, kontrolliert:

  • Wiederkaufraten

  • Personalisierung

  • Cross-Selling

  • Preisoptimierung

Große OTAs verfügen über enorme Datenmengen und über Jahre optimierte Algorithmen – ein strategischer Burggraben, den neue KI-Interfaces kurzfristig kaum überwinden.

Marktführerschaft bleibt stabil

Booking Holdings wird weiterhin als zentraler Akteur im globalen Vertrieb gesehen.

Morgan Stanley hat die Bewertung angehoben – auch, weil die befürchtete KI-Disruption derzeit überschätzt wird.

Was bedeutet das für Hotels?

Hier wird es strategisch relevant.

1. KI ersetzt nicht Distribution – sie verändert die Customer Journey

Die zentrale Frage ist nicht, ob OTAs verschwinden.
Sondern, wie sich die Inspirations- und Suchphase verändert.

Für das Revenue Management ergeben sich daraus neue Anforderungen:

  • Wird Ihr Hotel in KI-gestützten Empfehlungen sichtbar sein?

  • Sind Ihre Inhalte strukturiert, vollständig und maschinenlesbar?

  • Sind Ihre Raten logisch und konsistent aufgebaut?

2. OTAs bleiben Machtfaktor – möglicherweise stärker

Wenn KI zusätzlichen Traffic zu OTAs lenkt, kann sich die bestehende Abhängigkeit weiter verstärken.

Für Hotels bedeutet das:

  • Professionelles OTA-Content-Management wird noch wichtiger

  • Rate Parity und Preisstrategie müssen konsequent gesteuert werden

  • Die Conversion auf OTA-Detailseiten gewinnt weiter an Bedeutung

3. Eigene Datenstrategie wird zum entscheidenden Faktor

Wenn OTAs ihre Datenhoheit behalten, wird der Aufbau eigener Kundendaten zur strategischen Notwendigkeit.

Relevante Hebel sind:

  • Aktive Nutzung von CRM-Systemen

  • Professionalisierung von Newsletter-Strategien

  • Stärkung von Loyalty-Programmen

  • Ausbau der Personalisierung auf der eigenen Website

Die zentrale Frage lautet: Wer besitzt die Beziehung zum Gast?

4. Keine Panik – aber strategische Klarheit

Eine disruptive Verlagerung des Travel-Commerce durch KI ist kurzfristig nicht zu erwarten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die Position von Hotels automatisch verbessert.

Im Gegenteil: Wer passiv bleibt, läuft Gefahr, im neuen KI-Ökosystem lediglich als austauschbares Inventar wahrgenommen zu werden.

Fazit

Agentic AI ist kein „OTA-Killer“ – sondern eher ein Verstärker bestehender Plattformstrukturen.

Für Hotels bedeutet das:

  • Distribution bleibt plattformgetrieben

  • Daten gewinnen weiter an Bedeutung

  • Sichtbarkeit im KI-gestützten Discovery-Prozess wird entscheidend

  • Strategisches Revenue Management wird komplexer

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Verdrängt KI Booking?“

Sondern: „Wie positioniert sich mein Hotel in einer KI-verstärkten Plattformökonomie?“

Birgit Haake - Expertin Revenue Management

Autorin: Birgit Haake

Birgit Haake verfügt über mehr als 25 Jahren Praxiserfahrung in der Hospitality Industry und im Gesundheitswesen. Mit ihrem Unternehmen Haake Revenue4U unterstützt sie als Expertin im Revenue Management Individualhotels und Hotelketten in Deutschland und Europa. Die Kernkompetenzen liegen im Buchungsmanagement, (MICE) Revenue Management, Pricing und der Online Distribution. Birgit Haake ist Diplom-Kauffrau und verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung als Hotelfachfrau. Sie ist zertifizierte Trainerin und jahrelange Hochschuldozentin für Internationales Hotelmanagement und Tourismusmanagement.

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